Stellen Sie sich vor. Die Finanzen Ihres Unternehmens sind geregelt. Alle Rechnungen sind bezahlt. Plötzlich erhalten Sie eine Nachricht von jemand, mit dem Sie noch nie etwas zu tun hatten.

“Wir bekommen noch Geld von Ihnen. Und das nicht nur für das aktuelle Jahr, sondern für auch für die Jahre davor.”

Mit Nachzahlungen, Säumniszuschlägen und Bußgeldern können schnell fünfstellige Summen auflaufen.

Undenkbar?

Nicht, wenn Sie einen Webdesigner, einen Grafiker, einen Werbetexter oder einen Künstler im weitesten Sinn beschäftigt haben.

Denn damit geraten Sie ins Visier der Künstlersozialkasse (KSK) …

Die Künstlersozialkasse

Kreative Freiberufler haben oft eine unregelmäßige Auftragslage, schwankende Honorare und eine schlechte soziale Absicherung. Seit 1. Januar 1983 regelt deshalb das Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG), dass selbständige Künstler und Publizisten in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung pflichtversichert sind.

Finanziert wird die Künstlersozialversicherung zur Hälfte aus den Beiträgen der versicherten Künstler.

Die andere Hälfte tragen die “Verwerter” künstlerischer Leistungen. Abgabepflichtig sind aber auch alle Unternehmen, die Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben und dabei nicht nur gelegentlich Aufträge an selbständige Künstler oder Publizisten vergeben. Schon ein oder zwei Werbeaufträge pro Jahr können ausreichen, um eine Abgabepflicht zu begründen.

Potenziell abgabepflichtig sind alle Aufträge für “künstlerisch kreative Dienstleistungen”, die von selbständigen oder freiberuflichen Künstlern erbracht werden. Lediglich für Zahlungen an juristische Personen (z. B. GmbH, UG, AG, etc.) fällt keine Künstlersozialabgabe an.

Beispiele für künstlerische Kreativleistungen

  • Entwurf eines Firmenflyers
  • Erstellen eines Logos
  • Konzept und Erstellung eines Imagevideos
  • Werbetexte für eine Webseite
  • Entwurf einer Visitenkarte

Höhe der Abgabe

Die Künstlersozialkasse erhebt für jede künstlerische Leistung eine pauschale Abgabe. Für 2015 und 2016 betrug diese 5,2%. Für 2017 beträgt die Künstlersozialabgabe 4,8%.

Berechnungsgrundlage sind alle Rechnungen (netto), die von selbständigen Kreativen in einem Kalenderjahr gestellt wurden.

Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Künstler oder Publizist selbst Mitglied der Künstlersozialversicherung ist. Die Künstlersozialabgabe wird nicht für eine bestimmte Person geleistet, sondern in ein Kollektiv gezahlt, aus dem alle Versicherten bedient werden.

Bagatellgrenze

Die Bagatellgrenze liegt bei 450,— € (netto) pro Jahr. Nur Unternehmen, deren jährliches Auftragsvolumen an selbständige Kreative die Bagatellgrenze nicht übersteigt, müssen keine Künstlersozialabgabe abführen.

Meldeverfahren und Zahlungen

Nach den gesetzlichen Bestimmungen sind Unternehmer, die zum Kreis der Abgabepflichtigen nach § 24 KSVG gehören oder regelmäßig Entgelte an Künstler oder Publizisten zahlen, verpflichtet, sich selbst bei der KSK zu melden.

Dies kann zunächst formlos schriftlich, per Fax oder E-Mail, aber auch telefonisch geschehen. Die KSK prüft die grundsätzliche Abgabepflicht und stellt sie ggf. in einem gesonderten Bescheid fest.

Die Summe aller an selbständige Künstler und Publizisten gezahlten Entgelte eines Jahres ist bis zum 31.03. des Folgejahres an die Künstlersozialkasse zu melden.

Auf der Grundlage der Jahresmeldung erfolgt die Abrechnung der Künstlersozialabgabe für das Vorjahr.

Folgen bei Nichtanmeldung

Die Verletzung der gesetzlichen Melde- und Aufzeichnungspflichten ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld verfolgt werden kann.

Unternehmen, die keine KSK bezahlt haben, drohen Nachzahlungen bis zu 5 Jahren, sowie Säumniszuschläge und Bußgelder.

Seit Anfang 2015 wurde das mögliche Bußgeld für “KSK-Vergehen” von 5.000 € auf 50.000 € angehoben.

Prüfungen

Regelmäßig überprüft die Deutsche Rentenversicherung Unternehmen mit angestellten Mitarbeitern auf die ordnungsgemäße Erfüllung der Sozialversicherungspflicht. Seit Anfang 2015 wird zusätzlich geprüft, ob in der Unternehmensbuchhaltung Rechnungen für “künstlerische Leistungen” enthalten sind. Und ob dafür KSK-Gebühren abgeführt wurden.

Zusätzlich hat die Künstlersozialkasse künftig ein eigenes Prüfrecht zur Durchführung von branchenspezifischen Schwerpunktprüfungen und anlassbezogenen Prüfungen.

Erfassung bei der Künstlersozialkasse

Unternehmen können sich direkt bei der KSK (www.kuenstlersozialkasse.de) melden und ihre Abgabepflicht prüfen lassen.

Quellen und weitergehende Informationen